Unser Schwedenhaus in Toffen (Okt. 75 - Sept. 79)
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" - Letzte Aenderung: 14. April 2019)


Daniela 1 Monat alt

Es war immer mein Traum! Endlich konnte ich mir auch diesen Traum erfüllen: Ein eigenes Haus. Das wurde möglich, als ich als Verkäufer bei der Computerfirma Sperry Univac recht erfolgreich war. Im Oktober 1975 zogen wir in unser Traumhaus in Toffen im Gürbetal ein. Unsere Adresse lautete: Ahornweg 5, Im Breitlohn, 3125 Toffen

Das Schweden-Haus, wie ich es nannte, stand am Hang hoch über dem Gürbetal, war zwei-geschossig und hatte keine Unterkellerung. Es fiel auf durch sein grosses Dach. Im hinteren Teil des Hauses war der Platz für die Oelheizung und den Keller samt Waschmaschine. Vor dem Keller im Erdgeschoss war das grosse Wohnzimmer mit Cheminé und einem Gäste-WC. Im Obergeschoss d.h. im Dach waren das Eltern-, sowie 2 Kinder-Schlafzimmer und ein Büro, sowie ein Estrich noch weiter oben. Zusätzlich hatten wir 2 Garagen für unsere beiden Autos in der nahen Gemeinschaftsgarage.

Das Haus liessen wir schlüsselfertig durch den Generalunternehmer Heimbau AG zu einem Fix-Preis von Fr. 329'000.-- plus Landkosten von Fr. 18'080.-- erstellen. Da unser Haus das erste in der kleinen Ueberbauung von 7 Häusern war, diente es der Heimbau AG als eine Art Musterhaus. Mit diesem Trumpf in der Hand konnten wir bei Baumängel den Architekten schnell und erfolgreich unter Druck setzen.

Die Lage hoch über dem Gürbetal und Toffen war einmalig. Vom Sitzplatz aus sahen wir die Berner-Alpen. Auf dem Hang über uns konnten wir Rehe beobachten.

Was wir beim Bau nicht wussten und auch nicht ahnten, waren die Probleme in den kalten Wintern, wenn alles zu Stein und Bein gefror. Vorallem, wenn es am Ende des Winters in den gefrorenen Schnee und Eis regnete, dann herrschte Alarm im Haus. Das Oberflächen-Wasser konnte nicht versickern und lief über das Eis auf unser Hanggrundstück.

Im ersten Winter hatten wir noch Ruhe, aber im November 1976 und zum zweiten Mal im April 1977 wurden wir von zwei heftigen Ueberschwemmungen heimgesucht. Das Regen-Wasser von der oberen Wiese lief über dem gefrorenen Schnee und beim zweiten Mal über die Wiese auf mein Grundstück links und rechts am Haus vorbei. Auf der einen Seite in den Hauseingang sogar etwa 1-2 Meter ins Entrée auf den Teppich und auf der anderen Seite via Rasenfläche über das steile Bord auf die Strasse, wobei das Wasser ziemlich viel Erde mitspülte.

Ich schaufelte mir bei intensivstem Regen oberhalb meines Grundstückes eine tiefe Wasserrinne, holte mir von der nahen Baustelle etwa 30-50cm cm dicke Kunststoffrohre und fasste das Wasser in der Wasserrinne und leitete es durch die Rohre auf die Strasse.

Wir beschwerten uns beim Architekten, dass unsere Grundstück nicht mit einem "Stellriemen abgegrenzt und das Wasser am tiefsten Punkt gefasst wird. Nach einiger Zeit willigte er ein, weil ich ihm mit dem Umleiten des Wassers auf sein Nachbargrundstück drohte, via Stellriemen das Wasser zu fassen und über eine Kanalisation abzuleiten. Seithr hatten wir einigermassen Ruhe, ich musse aber den Stellriemen zum oberen landwirtschaftlichen Grundstück im Auge behalten und regelmässig von der angeschwemmten Erde säubern.

Ein weiterer Knackpunkt war das Geländer an der Treppe von der Strasse zum Haus. Unser Haus war etwa 10 m oberhalb der Strasse. Ueber eine Treppe mit vielen Stufen gelangte man zum Haus. Ursprünglich war kein Geländer vorgesehen. In der Praxis entdeckten wir, dass dies sehr gefährlich ist, vorallem bei älteren Personen. Unsere Beanstandung beim Architekten lehnte er ab. Darauf zogen wir unsere Zusage zurück, dass wir Interessenten das Haus zeigen würden, denn wir könnten das Risiko eines Unfalles auf der Treppe nicht tragen. Bereits nach kurzer Zeit war ein schönes Geländer montiert.

Unser Haus in Toffen war ein schönes Haus, ein Traumhaus hoch über dem Gürbetal. Vorallem im Herbst, wenn sich der Bodennebel ausbreitete, waren wir über dem Nebelmeer und blickten in die Berneralpen mit dem Jungfrau-Massiv. Es war mehr ein Ferienhaus, als ein Wohnhaus. Eine Erhol-Oase für mich. Als ich einen Job in Basel annahm, musste ich mich davon trennen und es verkaufen.


Unser Haus im Breitlohn / Toffen

Bau-Protokoll

Während des ganzen Baus habe ich Protokoll geführt


Inserat im Bund

 

Geschichten um unser Haus in Toffen

5 Jahre haben wir in Toffen gewohnt. In dieser Zeit haben wir viel erlebt, aber auch geleistet. Wir haben um- und ausgebaut. Wir überlebten Unwetter und Stürze. Unsere beiden Mädchen Katja und Daniela machten den Entwicklungs-Schritt vom Buschi zum Kleinkind. Es war eine schöne Zeit. Wir wohnten in einem Ferienhaus.

Innenausbau:
Im Obergeschoss waren 4 Zimmer. Anfänglich liessen wir nur 2 Zimmer als Eltern-Schlafzimmer und Kinder-Schlafzimmer ausbauen. Im Elternschlafzimmer verwirklichte sich Doris, denn die eine Wand bei den Elternbetten musste die identische blau-grüne Farbe haben, wie der Bettüberzug. Die beiden anderen Zimmer baute ich selber aus. Ich montierte die Decken-Täfer, tapezierte und strich die Seitenwände, und legte schlussendlich den Teppich aus.

Böschung:
Ursprünglich war nur eine steile Böschung bis zur Strasse geplant und realisiert. Dies ging auf Kosten der oberen ebenen Fläche, sprich Sitzplatz. Ich entschloss mich zu einer etwa 1.30m hohen Schwelllenmauer. Damit erhielten wir mehr als 1 m zusätzliche ebene Fläche, und eine kleinere Böschung.

Unkraut am Steilhang:
Der Steilhang zwischen Strasse und Sitzplatz wurde mit Cotoneastern, ein paar Yuccas und Sanddorn-Sträuchern bepflanzt. Ich will an dieser Stelle keine Ausrede finden, aber das Unkraut zwischen den Pflanzen habe ich lange Zeit zu wenig beachtet. Es wuchs und wuchs. Bald waren die Gräser höher als die Cotoneastern. Ich musste reagieren! Stunden-/tage-lang habe ich von Hand mit der Handharke die Gräser ausgerissen und die vollen Eimer auf dem Nachbar-Grundstück abgelegt. Es waren mehrere Kubikmeter. Der Architekt war darüber nicht allzu begeistert, meinte aber, dass es wahrscheinlich bis zur Aussenbearbeitung verrottet sei.

Unser Haus war eine Art Musterhaus
Wir erlaubten es dem Architekten, dieses Haus seinen Interessenten zu zeigen. Dieses Entgegenkommen nützte ich weidlich aus, wenn ich Mängel entdeckte. Ich drohte dann dem Archiketen, diese den Interessenten zu zeigen. So zwang ich ihn zum Beispiel, ein Geländer auf der langen etwa 20 stufigen Treppe zum Haus zu installieren, weil es für ältere Leute zu gefährlich gewesen wäre, oder eben das Ueberschwemmungsproblem zu lösen.

Abstellraum für Gartengeräte:
Während der Bauzeit realisierte ich, dass ich unbedingt einen Abstellraum für meine Gartenwerkzeuge, den Rasenmäher etc benötigte. Wir entschlossen uns, zwei Fertigbeton-Elemente für Wasser-Kanäle senkrecht aufzustellen und darüber eine Platte zu legen. Dadurch erhielt ich nicht nur zwei schöne Abstellräume von je etwa 1.50m x 1.50m, sondern auch eine massive Stützmauer für unseren Gemüse- und Früchtegarten.

Das Rollbrett:
Der Ahornweg, an dem unser Haus stand, war eine Art Spielstrasse, denn wir hatten keinen Durchgangsverkehr. Oft sassen wir Anwohner auf der Strasse zusammen. Den 1. August feierten wir zum Beispiel gemeinsam, derweil unsere Kinder auf der Stasse mit ihren Rollbrettern und Fahrrädern herumtollten.

Nach ein paar Bier wollte ich auch einmal auf einem Rollbrett fahren. Bei den Kindern sah dies so leicht aus. Bei mir war es aber ganz anders. Einen Fuss konnte ich noch aufs Brett bringen, als ich den zweiten nachziehen wollte, lag ich bereits auf dem Boden. Mein Arsch und meine Handgelenke, mit denen ich den Sturz abfederte, schmerzten. Ich humpelte auf meinen Platz zurück. Nach dieser schlechten Erfahrung habe ich immer einen grossen Bogen um die Rollbretter gemacht.

Das Klettergerüst:
Vor unserem Haus hatten wir eine grossen Sitzplatz mit viel Rasen etwa 6x20m. Für meine beiden Mädchen wollte ich ein kleines Paradies schaffen. Dazu gehörte ein schöner Sandkasten und ein kombiniertes Klettergerüst mit Schaukel. Dieses wurde zum grossen Hit der ganzen Umgebung.

Moorbeet:
Cotoneastern waren auf dem kleinen Beet vor dem Eingang zu unserem Hause angepflanzt. Diese waren mir ein Dorn im Auge.Der Eingangstrakt ist die Visitenkarte des Hause.

Ein Moorbeet mit schönen Rhododendren und Azaleen wollte ich bauen. Dazu musste ich aber das gesamte Erdreich bis etwa 1 m Tiefe ausheben. Diese Erde brachte ich auf meine Böschung.

In die unterste Häfte des Loches stappelte ich zuerst Steine und darüber Holzäste und unbehandeltes Abfallholz, das die Pflanzen vor stehendem und eindringendem Regen-Wasser schützen und im Laufe der Jahre zerfaulen und saure Erde bilden sollte. Darüber kam ein Kunststoff-Vliess und in dieses mehrere Torfballen, bis es voll war. Das Konststoffvliess sollte den Torf vor eindringender Erde schützen.

Nun kam der grosse Moment, ein paar Rhododendrons und Azaleen einzukaufen. Diese waren nicht günstig, aber ein Pracht. Sie gehörten zu den ersten Blüher im Frühjahr und blühten bis im Spät-Sommer.

Cheminee-Holz:
Ein Innen-Cheminee im Wohnzimmer war im Baubeschrieb vorgesehen. Wir ergänzten dies durch ein Aussen-Cheminée am selben Kamin auf dem Sitzplatz. Das zugeschnittene Cheminée-Holz orderte ich bei einem Bauern und lagerte es unter dem hinteren Dachvorsprung.


Verkaufs-Inserat

Integration in Toffen:
Das Breitlohn, wo wir wohnten, war etwas abseits vom Toffen-Zentrum, aber auch von Bern. Wir waren auf zwei Autos angewiesen. Bald kannten wir einige Bewohner des Breitlohns. Als Katja in den Kindergarten kam, lernte Doris ein paar Toffener kennen. Für mich war es schwieriger. Ich war nur übers Wochenende hier. Einzig bei einer Volksabstimmung wurde ich zum Zählen aufgeboten. Dies war für mich eine besondere Situation, denn auf einmal hatte ich es mit Bauern zu tun. Diese waren nicht gewohnt,solche Büroarbeiten zu machen. Bald war ich der Chef des Zählteams und zählte praktisch alles alleine. Die Bauern waren froh um meine Hilfe.

Abschied von Toffen

Im Oktober 1975 zogen wir in unser Traumhaus ein. Nach nur 4 Jahren zog es uns wieder weg. Ich erhielt bei Sperry Univac ein tolles Berufsangebot in Basel mit der Chance, wieder in die Chemie zurückzukehren. Wir verkauften unser Haus und zogen auf den Sept. 1979 in die Liebrüti in Kaiseraugst.

Der Käufer war ein Garagist aus Belp, der das Haus etwas ausbaute, indem er das Wohnzimmer auf Kosten der Geräteräume im Garten vergrösserte.

 

 

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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